interculturalweb.com© Sebastian C. Scholz 2005
															 Studie über die Erhebung und Bedeutung von interkulturellen Präferenzen bei
															 Web-Interfaces am Beispiel einer Web-Applikation für Energie
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Motivation

Die Studie befasst sich mit kulturell bedingten Präferenzen bei der Nutzung von Websites und Webapplikationen. Insbesondere das wachsende Leistungsportfolio von Google veranschaulicht, welches Marktpotenzial hier mit rasanter Geschwindigkeit erschlossen wird. Betrachtet man aber die Internetstrategien weltweit agierender Unternehmen genauer, so liegt hier als potenzieller Trugschluss die Annahme, dass eine gute User Experience primär durch stringentes Branding und technologischen Innovationsgrad entsteht. Wenn man bedenkt, dass Asien 25% der Onlinebevölkerung darstellt, ist es riskant, das Thema Lokalisierung lediglich auf Content und Sprache zu beschränken, ohne die dabei angesprochenen Kulturen genauer zu untersuchen.

Idee

An diesem Punkt setzt interculturalweb an mit der Entwicklung eines Frameworks zu Interface-Präferenzen: Identifizierte Kulturdimensionen wurden auf Interface-Mockups abgebildet, zwischen denen befragte Probanden ihre Präferenz ausdrückten. Inhaltlicher Rahmen für die Befragung bildete eine Webapplikation von Siemens Building Technologies zur Verwaltung von Energiedaten. Aus diesem Umfeld nahmen 340 (von 900) Mitarbeiter aus 37 Nationalitäten an der Befragung teil.

Ergebnis

Es gibt tatsächlich nachweisbar abweichende Interface-Präferenzen zwischen Kulturen respektive Nationen (Differenzierungsaspekt). Darüber hinaus lassen sich über alle Nationen übergreifend gewisse Präferenzen von Konzepten ablesen (Standardisierungsaspekt).

In der Frage nach der Begründung für diese Tendenzen findet sich ein Anknüpfungspunkt für Folgestudien, denn ein statistischer gesamtheitlich sinnvoller Zusammenhang zu den gesellschaftlichen Kulturen nach Hofstede konnte interessanterweise nicht nachgewiesen werden. Die vorliegende Arbeit kommt daher auch zu anderen Empfehlungen als diverse andere Studien, die immer – und zwar ohne es anhand eigener Analysen zu belegen – ihre Gestaltungsvorschläge via Analogieschluss aus den Thesen von Hofstede ableiten.

In jedem Fall lässt sich jedoch anhand der Ergebnis-Darstellungen der vorliegenden Arbeit klar ablesen, welches Interface-Konzept für ein entsprechendes Land besser geeignet ist. Durch das erfolgte Clustering kann man ferner eruieren, ob die von einer potenziellen Webapplikation angesprochenen Zielnationen in ihrer Präferenz zumindest tendenziell in die gleiche Richtung gehen.

Da die abgefragten Mockups Bestandteil einer zusammenhängenden praxisnahen Story waren, sind die Konstrukte nicht nur akademischer Natur, sondern bieten konkrete Anregungen für eigene Interfaces industriellen Hintergrundes.

Fazit

Zusammenfassend bestätigt die Studie interculturalweb mit aller Deutlichkeit, dass beim Entwurf von Websites und Web-Applikationen die kulturellen Belange der möglichen adressierten Nationen berücksichtigt werden müssen, da diese zwar nicht den alleinigen, aber immerhin einen entscheidenden Einfluss auf Nutzerzufriedenheit und damit Geschäftserfolg des Anbieters haben.

sebastian.scholz@interculturalweb.com