Motivation
Die Studie befasst sich mit kulturell bedingten Präferenzen bei der Nutzung
von Websites und Webapplikationen. Insbesondere das wachsende Leistungsportfolio
von Google veranschaulicht, welches Marktpotenzial hier mit rasanter Geschwindigkeit
erschlossen wird. Betrachtet man aber die Internetstrategien weltweit agierender
Unternehmen genauer, so liegt hier als potenzieller Trugschluss die Annahme,
dass eine gute User Experience primär durch stringentes Branding und
technologischen Innovationsgrad entsteht. Wenn man bedenkt, dass Asien 25%
der Onlinebevölkerung darstellt, ist es riskant, das Thema Lokalisierung
lediglich auf Content und Sprache zu beschränken, ohne die dabei angesprochenen
Kulturen genauer zu untersuchen.
Idee
An diesem Punkt setzt interculturalweb an mit der Entwicklung
eines Frameworks zu Interface-Präferenzen: Identifizierte Kulturdimensionen
wurden auf Interface-Mockups abgebildet, zwischen denen befragte
Probanden ihre Präferenz ausdrückten. Inhaltlicher Rahmen
für die Befragung bildete eine Webapplikation von Siemens Building
Technologies zur Verwaltung von Energiedaten. Aus diesem Umfeld nahmen
340 (von 900) Mitarbeiter aus 37 Nationalitäten an der Befragung
teil.
Ergebnis
Es gibt tatsächlich nachweisbar abweichende Interface-Präferenzen
zwischen Kulturen respektive Nationen (Differenzierungsaspekt). Darüber
hinaus lassen sich über alle Nationen übergreifend gewisse
Präferenzen von Konzepten ablesen (Standardisierungsaspekt).
In der Frage nach der Begründung für diese Tendenzen findet
sich ein Anknüpfungspunkt für Folgestudien, denn ein statistischer
gesamtheitlich sinnvoller Zusammenhang zu den gesellschaftlichen
Kulturen nach Hofstede konnte interessanterweise nicht nachgewiesen
werden. Die vorliegende Arbeit kommt daher auch zu anderen Empfehlungen
als diverse andere Studien, die immer – und zwar ohne es anhand
eigener Analysen zu belegen – ihre Gestaltungsvorschläge
via Analogieschluss aus den Thesen von Hofstede ableiten.
In jedem Fall lässt sich jedoch anhand der Ergebnis-Darstellungen
der vorliegenden Arbeit klar ablesen, welches Interface-Konzept für
ein entsprechendes Land besser geeignet ist. Durch das erfolgte Clustering
kann man ferner eruieren, ob die von einer potenziellen Webapplikation
angesprochenen Zielnationen in ihrer Präferenz zumindest tendenziell
in die gleiche Richtung gehen.
Da die abgefragten Mockups Bestandteil einer zusammenhängenden
praxisnahen Story waren, sind die Konstrukte nicht nur akademischer
Natur, sondern bieten konkrete Anregungen für eigene Interfaces
industriellen Hintergrundes.
Fazit
Zusammenfassend bestätigt die Studie interculturalweb mit aller
Deutlichkeit, dass beim Entwurf von Websites und Web-Applikationen
die kulturellen Belange der möglichen adressierten Nationen
berücksichtigt werden müssen, da diese zwar nicht den alleinigen,
aber immerhin einen entscheidenden Einfluss auf Nutzerzufriedenheit
und damit Geschäftserfolg des Anbieters haben.